Die geographische Lage der Eisenbahnlinie    
 

Beschreibung des Schienenweges von Joseph Birkenmeier
aus seiner Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde
aus dem Jahre 1912

 

Über die Lage des Schienenweges sei in Anlehnung an Zeitungsberichte (Schwarzwälder Zeitung Jahrgang 1891 Nr.113, 114, 115 ) folgendes gesagt: Die Bahnlinie Neustadt - Bonndorf fällt von Neustadt bis Kappel / Gutachbrücke mit der Verlängerung der Höllentalbahn zusammen und zweigt unmittelbar nach dieser Station in südlicher Richtung ab, führt nach Überbrückung der Straße nach Kappel den rechtsseitigen Hängen des Gutachtales entlang, bei Km 1,5 auf 15 Meter hohem Damm über das Erlebachtal und unweit der Mündungsstelle des Haslachtales in das Wutachtal in einem Bogen mit 240 Meter Radius in westlicher Richtung zur Haltestelle Kappel - Grünwald 3,6 Km. Von hier zieht die Bahn an den Nordhängen des 50 Meter tiefer liegenden Haslachbaches in westlich - nordwestlicher Richtung talaufwärts. Das Tal wird immer flacher und enger und ermöglicht bei Km 5,9 eine Überbrückung auf 26 Meter langer und 8 Meter  hoher Brücke. Kurz hinter der Überführung treffen die beiden von und zu dem Lenzkircher Sackbahnhof am Südende des Städtchens führenden Trassen zusammen und laufen 800 Meter parallel. Von Lenzkirch aus führt die Linie am Südrande des Tälchens entlang nach dem 1200 Meter entfernten Haltepunkt Unterlenzkirch und setzt sich von hier an den Talhängen des Haslachtales in östlicher Richtung fort, führt bei Km 9,2 über den 45 Meter lange und 35 Meter hohe Klausenbachviadukt und bei geringer Steigung in scharfem Bogen ( 240 Meter Halbmesser ) das Haslachtal unweit der Einmündung in das Wutachtal verlassend zur Holzverladestelle Saatfeld ( 12,1 Km ) inmitten Fürstlich Fürstenbergischer Waldungen und weiter auf 30 Meter hohem Damm über das Reichenbachtal an Holzschlag vorbei nach dem Bahnhof Gündelwangen. Die Linien zu beiden Seiten des Haslachtals laufen in gleicher Höhe, und es hätte bei einer Überbrückung des 200 bis 300 Meter breiten Tales in der Nähe des Haltepunktes Grünwald etwa 6 bis 7 Km gespart werden können. Südöstlich von Gündelwangen erreicht die Bahn in ständiger Steigung bei Km 17,0 ihren höchsten Punkt 910 Meter und von hier von einem Gefäll von 1:100 den 2,7 Km entfernten Endpunkt Bonndorf.

Von den fünf Stationen der Strecke ist nach dem Stand von 1910 Bonndorf Stationsamt dritter  Klasse, Lenzkirch vierter Klasse, Kappel/Grünwald und Gündelwangen fünfter Klasse, dazu kommt noch der Haltepunkt Unterlenzkirch. An Gebäuden wurde erstellt je ein Aufnahmegebäude an jeder Station, 7 Bahnwärterhäuschen, je ein Ökonomiegebäude in Lenzkirch, Gündelwangen und Bonndorf, ferner 2 Dienstwohngebäude in Lenzkirch und Bonndorf und ein Maschinenhaus in Bonndorf. Bemerkenswerte Kunstbauten sind nur die Klausenbachbrücke mit nach unten gekrümmter Gurtung und die Haslachbrücke auf Fachwerkträgern mit gleichlaufender Gurtung. Der Oberbau besteht aus 9 und 12 Meter langen, 129 mm hohen, 36 Kg ( 1 fm ) schweren Flußbauschienen auf eisernen Querschwellen. Die Neigungsverhältnisse sind auf der ganzen Strecke günstig. Die Länge der horizontalen Strecke beträgt 7700 Meter, das sind 38,93% der Gesamtlänge, und die Länge der Strecken mit Neigung 12080 meter oder 61,07% der Gesamtlänge, wovon 2250 Meter eine Neigung bis 1/200 und 9830 Meter eine solche von 1/200 bis 1/100 haben. 10780 Meter oder 54,5 % der gesamten Länge des Schienenwegs sind gerade Strecken, wogegen die Länge der Bahnkrümmung 9000 Meter erreicht ( 45,5% ). Davon entfallenauf Krümmungen mit einem Halbmesser bis 1000 Meter 222 Meter Länge, unter 1000 bis 500 Meter halbmesser 2532 Meter, unter 500 bis einschließlich 300 Meter Radius 1857 Meter und endlich 4389 Meter mit einem Radius von 200 bis 300 Meter.

Die ganze Herstellung erforderte einen Zeitaufwand von 5 Jahren bei einer wirklichen Bauzeit von 2 Jahren. Die größte Verzögerung entstand infolge Meinungsverschiedenheiten der Bauleitung über die Wahl des Bahnhofs Lenzkirch. Der Bau der ausgedehnten Spitzkehre in Lenzkirch hatte neben einem bedeutenden Kapitalaufwand eine erheblich größere Gesamtfahrzeit von Kappel bis Bonndorf teils wegen des größeren Weges und teils wegen der in Lenzkirch notwendigen Rangierzeit zur Folge. Eine Beseitigung dieser Mißstände wäre am einfachsten durch eine Überbrückung des unteren Haslachtales und direkte Trassenführung nach Bonndorf zu erzielen gewesen, ein Projekt, das infolge der Rücksichtnahme auf die Interessen Lenzkirchs scheiterte. Ein Vermittlungsvorschlag, der allen Gesichtspunkten gerecht zu werden schien, der eine Überbrückung des unteren  Haslachtales und von der Übergangsstelle eine Zweiglinie nach Lenzkirch anstrebte, wurde aus betriebstechnischen Gründen verworfen.