Die Großbaustelle Eisenbahnlie     

 

 

Die Bauarbeiten an der Eisenbahnlinie begannen offiziell am 1. Sept. 1905. Der erste Spatenstich fand am 23. Aug. 1905 beim Bahnhof Kappel   (später umbenannt nach Kappel – Gutachbrücke ) statt. Die Ausführung der Arbeiten oblag der Firma Bilfinger und Grün aus Mannheim und war auf vier Baulose verteilt.

 

Es ist nichr einfach heute über eine Großbaustelle der damaligen Zeit etwas zu  berichten, denn es sind fast keine Unterlagen vorhanden. Den besten Einblick über diese Baustelle kann man sich noch mit den Bildern verschaffen, die im Bilderordner abgelegt sind. Die Fotos sind eine Rarität und ein Zeitdokument zugleich. Entstanden sind diese Aufnahmen alle zwischen den Jahren 1905 und 1907  entlang der Bahnlinie von Kappel Gutachbrücke bis nach Bonndorf . Die Fotos wurden von Lenzkircher Bürgern zur Verfügung gestellt. -- Danke –  Der Fotograf war Paul Stritt, der spätere Direktor der Uhrenfabrik Lenzkirch.

 

An einen Maschineneinsatz auf Baustellen war in der damaligen Zeit überhaupt nicht zu denken, denn es gab diese noch nicht. Lediglich im Bereich Gündelwangen - Bonndorf kam ein Dampfbagger ( Greifbagger ) zum Einsatz. Dies war für damalige Verhältnisse ein Riesenfortschritt. Gegen Ende der Bauzeit sollen auch die ersten " Presslufthämmer " eingesetzt worden sein, ansonsten waren dampfgetriebene Bauloks mit Lorewagen das einzige maschinelle Hilfsmittel. Mit diesen wurden die Baumaterialien transportiert. Diverse Winden und kleine handbediente Kräne vervollständigten die technische Ausrüstung. Das Maschinen- zeitalter hatte halt eben erst begonnen, und so hieß es auf den damaligen Baustellen " alles Handarbeit. "

 

Die Löcher für die Sprengungen wurden von Hand mit dem Meisel in den Fels getrieben. Nach der Sprengung wurden die Felsbrocken mit den Hämmern zerkleinert. Solch ein Projekt mit 20 Kilometer Bahntrasse, etlichen Gebäuden, Dämmen, tiefen Einschnitten und einigen Brücken konnte nur mit großem Menschenaufwand bewältigt werden. So ist es nicht verwunderlich, daß zwischen 500 und  in Spitzenzeiten bis zu 1500 Arbeiter auf dieser Großbaustelle beschäftigt waren, und schon nach etwas über zwei Jahren Bauzeit die Eröffnung der Eisenbahnlinie stattfinden konnte.

 

Auf der Baustelle waren in der Hauptsache italienische Arbeiter beschäftigt, die hier für kargen Lohn und karge Unterkünfte ein recht bescheidenes Leben führten. Ein Dach über dem Kopf und ein Strohsacklager, das wars dann schon. Manche Arbeiter hatten nicht einmal richtiges Schuhwerk und die Arbeitskleidung lies auch oft zu wünschen übrig. Eine Arbeitszeit von 12 Stunden pro Tag war ebenfalls der Normalfall. Die Verhältnisse in der damaligen Zeit waren nun mal so.

 

Über die Lebensumstände dieser ausländischen Arbeiter während der Zeit des Bahnbaus ist sonst nicht viel bekannt. Die Kontakte zur einheimischen Bevölkerung waren eher spärlich und zum Teil von Argwohn geprägt. Entlang der Baustellen soll es in den Anliegergemeinden auch zu Diebstählen gekommen sein, die man den Arbeitern des Bahnbaus anlastete. Ebenso wird vereinzelt von Schlägereien innerhalb der Arbeiterschaft berichtet.

 

Nach Fertigstellung der Bahnlinie wanderten die Arbeiter zu anderen Baustellen ab, oder Sie gingen zurück in ihre Heimatländer. Vereinzelte blieben aber auch hier und bauten sich eine eigene Existenz auf.

 

 

Der erste Spatenstich beim Bahnhof Kappel am 23. 8. 1905. Im Hintergrund der Bahnhof, rechts davon zweigte die Nebenbahn nach Lenzkirch – Bonndorf ab.