Nach der Eröffnung                                                   

 

 

Mit Aufnahme des Gesamtbetriebes offnete sich für die Menschen im Einzugsbereich der Bahnlinie sozusagen " das Tor zur Welt. " Es gab ja vorher außer der Postkutsche keine Reisemöglichkeiten. Das Reisen mit der Postkutsche war sowiso der besseren Gesellschaft vorbehalten, zumal bestenfalls 5 oder 6 Personen darin Platz fanden. Wollte nun aber ein "Normalsterblicher" in das benachbarte Amtsstädtchen Neustadt, so war dies noch am einfachsten zu Fuß zu bewältigen. Oder anderst auf den Punkt gebracht: Ein Besuch im Amtsstädtchen war in der damaligen Zeit ein Tagesausflug.

 

Die Bahn wurde von der Bevölkerung sehr gut angenommen, und die Menschen machten regen Gebrauch von diesem neuen Beförderungsmittel. Sogar die Freiburger kamen am Wochenende in den Schwarzwald um die "neuerschlossenen"  Region zu erkundschaften. Für die Menschen im Einzugsbereich der Bahnlinie war es nun auch möglich eine Arbeit in einem weiter entfernten Ort anzunehmen, oder auch mal auf die "Schnelle" die weiter weg wohnende Verwandschaft zu besuchen.

 

Von Neustadt nach Bonndorf dauerte die Fahrt etwa eine Stunde, aber dieser  Zeitaufwand  störte die  Menschen damals noch sehr wenig,denn "Zeit ist gleich Geld", diese Gleichung kannte man damals noch nicht. Die Bahn war ein Segen für die Menschen aber nicht unbedingt für die Bahn selbst. Nach einem Zeitungsbericht  sollen in den Anfangsjahren nur rote Zahlen geschrieben worden sein. Nach einer Einnahmensaufstellung von 1912 weist die Bahn aber Gewinne auf. Da alle Bahnhöfe, außer den Haltepunkten mit Holzverladerampen ausgestattet waren, kann man daraus leicht erkennen was am meißten transportiert wurde. Im Saatfeld war eine  Holzverladestelle eingerichtet, um Langholz aus den Fürstenbergischen Wäldern abzutransportieren. Auch andere Wirtschaftszweige profitierten von der neuen Bahn, so die Landwirtschaft ( Tier.- Milch.- und Düngertransport, sowie das trasportieren von Ernteprodukten ). In Gündelwangen gab es ein Kalkwerk, so wurde Koks angeliefert und Kalk abtransportiert.

 

Die Zuständigkeiten der einzelnen Dieststellen für den Betrieb  der Nebenbahn war von der Badischen Staatsbahn folgendermaßen aufgeteilt:

 

       Betriebsdienst:                                Betriebsinspektion Villingen

       Bahnbautechnischer Dienst:           Bahnbauinspektion Neustadt

       Maschinentechnischer Dienst:        Maschineninspektion Konstanz

 

Es gab auch kritische Stimmen zur neuen Bahnlinie. So waren die Kappler Bürger etwas traurig darüber, daß man nun zwar zwei Bahnhöfe auf seiner Gemarkung habe, aber jeder nur nach einem größeren Fußmarsch zu erreichen wäre. Die Postkutsche hatte bis dahin den Ort direkt durchfahren.

 

Auch Fachleute stellten dieser Bahn kein gutes Zeugnis aus. So bezeichnete Kuntzenmüller, ein Kenner der Badischen Staatsbahnen, die Strecke als eine der "schlecht trassiertesten Staatsbahnstrecken" und weiter: " eine Fehlkonstruktion schlimmster Art ..." und die Spitzkehre in Lenzkirch war da ein  Hauptpunkt in seiner Kritik.

 

Ansonsten wird noch berichtet,daß die neueröffnete Nebenstrecke nur unwesentlich den Verkehr auf der Höllentalstrecke erhöhte.

 

 

 

 

Sommerfahrplan von 1908, darunter die Fahrzeiten der Postkutschenlinien. Der Zugverkehr fand in der Anfangszeit des Bahnbetriebes in der Hauptsache zur Tageszeit statt. Der Grund dürfte wohl der gewesen sein, daß eine Beleuchtung in den Zügen nicht vorhanden war.  Es verkehrten Werktags sechs Zugpaare und an Sonn.- und Feiertagen vier Zugpaare wie aus dem Fahrplan ersichtlich ist.

 

 

 

Dieses Foto ist nicht aus den Eröffnungstagen der Bahn, wie irrtümlich in vielen Berichten beschrieben. Paul Stritt fotografierte diese kleine Festgesellschaft am 25. 11. 1906 bei der Gutachbrücke. Der Anlaß dieser Fahrt war vermutlich die Fertigstellung dieses Streckenabschnitts. (Bauloses) Die Fahrt fand mit der Baulok  (Meterspur) statt. Die richtigen Gleise -Normalspur -1435 mm -wurden erst später verlegt.