Chronik des Bähnle - Radweges

 

Rückblick: 1977 bis 1983

 

Es war der 1. Mai 1977 , als der letzte fahrplanmäßige Zug in den Bahnhof Lenzkirch einfuhr. Es handelte  sich um einen Sonderzug, den die Lenzkircher Bürger zu einer Abschlußfahrt nach Konstanz organisiert hatten. Sie wollten gebührend Abschied nehmen von ihrer Eisenbahn, welche fast 70 Jahre lang das Bild Lenzkirchs mitgeprägt hatte. So begab man sich nun mit einer Diesellok – V100, sechs Personenwagen (Silberlinge) und einem Gesellschaftswagen auf die Reise. Unter den 632 teilnehmenden Personen befanden sich etliche Vereine, so auch die Stadtmusik Lenzkirch. Da der Zug aus technischen Gründen nur etwa 5 bis 10 km/h schnell fahren durfte, benötigte man für die 6,78 Km lange Fahrstrecke nach Kappel-Gutachbrücke mit Zwischenhalt in Kappel-Grünwald ca. 45 Minuten. Bei der Einfahrt in den Bahnhof Kappel-Gutachbrücke wurden die Reiseteilnehmer vom Musikverein Kappel begrüßt. Nachdem die Lok umgesetzt hatte, ging die Fahrt weiter nach Konstanz und von dort mit dem Schiff zur Insel Mainau.

Die Insel Mainau hat mit der Bonndorferbahn eigentlich überhaupt nichts zu tun, aber zwei mal wird der Name der Bodenseeinsel in der knapp 70 jährigen Geschichte dieser Eisenbahnlinie genannt, und zwar bei der Eröffnung und bei der Schließung dieser Bahnstrecke.

Am 24. Sept. 1907 wurde die allererste offizielle Fahrt einschließlich aller Feierlichkeiten zur Bahneröffnung untersagt, weil der Großherzog, der sich damals auf der Insel Mainau aufhielt, schwer erkrankt war. Die Lenzkircher Bürger machten ihre allerletzte Fahrt, nämlich die Abschlußfahrt, wie bereits erwähnt am 1. Mai 1977 zur Bodenseeinsel Mainau.

 

Dies war es nun gewesen mit der Eisenbahn von Kappel-Gutachbrücke über Lenzkirch nach Bonndorf. Zuerst hatte man 60 Jahre lang von 1845 bis zum Baubeginn im Jahre 1905 um diese Bahn gerungen in Form von Bittstellungen und Petitionen, und im Jahre 1977, also knapp 70 Jahre nach der Fertigstellung im Jahre 1907 war auch schon alles wieder vorbei. Die Zeiten hatten sich eben geändert

 

Die Bahntrasse war nun verweist. Es fanden natürlich noch Überführungsfahrten statt, wo man abgebaute Bahneinrichtungen wie Signale, Stellwerkseinrichtungen und auch schon Gleise und Schwellen abtransportierte, ansonsten hatte es man mit dem Rückbau der Gleisanlage nicht besonders eilig. Der Streckenabschnitt Lenzkirch-Bonndorf war jedenfalls im Frühjahr 1977 nicht mehr durchgängig befahrbar, während die Gleise von Lenzkirch bis Kappel-Gutachbrücke noch bis 1979 vollständig vorhanden waren. Ende März 1979 werden auf dem Bahnhofsareal Lenzkirch noch zwei Güterwagen fotografisch dokumentiert, dann ging es mit dem Rückbau ganz schnell. Dies hatte folgenden Grund: Die Gemeinde Lenzkirch hatte mittlerweile das ganze ehemalige Bahngelände nebst Gebäuden und „Lasten“ für insgesamt 175.000 DM erworben, und die DB verpflichtete sich ihrerseits dazu, den kompletten Rückbau der Gleisanlagen bis Ende September 1979 durchzuführen, was dann auch geschah. Im Jahre 1978 war bereits die Bahnmeisterei abgerissen worden, da deren Gelände für den Neubau des Kurhauses benötigt wurde. Im Oktober 1980 mußte dann der Lenzkircher Bahnhof weichen, da auf dessen Areal der neue Kurpark entstand. Im Oktober 1983 fiel dann die Brücke über die Bonndorferstraße (Haslachquerung) der Spitzhacke zum Opfer. Übrig geblieben ist von den ehemaligen Bahnbauten im Ort somit nur der Bahnhof Unterlenzkirch und das Bahnwarthaus an der Bonndorferstraße. Die Bahntrasse welche innerorts verlief wurde bebaut. So entstanden im Bereich des Trenschelweges und der Bonndorferstraße auf der ehemaligen Bahntrasse neue Wohnhäuser, während außerorts die Natur den ehemaligen Schienenweg zurückeroberte.

 

Am 27. Mai 1979 wurde der Bahnhof Kappel-Gutachbrücke im Zuge des Rückbaus der Bonndorfer Strecke geschlossen und somit auch die Personenbeförderung eingestellt. Von der ehemaligen umfangreichen Gleisanlage mit Stellwerk und Holzverladung war bei diesem Bahnhof dann Ende 1979 nur noch ein durchgehendes Gleis von Neustadt nach Donaueschingen übrig geblieben.

 

Bereits am 19. Mai 1979 war in der BZ ein Leserbrief veröffentlicht worden, welcher Vorschläge zur Verwendung der Bahntrasse enthielt. Es heißt da unter anderem:

Jedermann weiß, daß die Bahnlinie durch eine sehr schöne Landschaft verläuft, etwas abseits vom Verkehr, eben verlaufend, ruhig und staubfrei. Wie wäre es denn, wenn der Bahnkörper sinnvoll genutzt würde z. B. als Wander.- und Radweg, als Trimmdichstrecke, und im Winter für den Skilanglauf ?. Spätestens jetzt müßte es doch bei einigen Fremdenverkehrsfachleuten klingeln !,......aber nichts geschah.

 

Die alte Bahntrasse im wunderschönen Schwarzwald gelegen, mit ihren Brücken, Dämmen, und Geländeeinschnitten, geriet jedoch nie in Vergessenheit.