Gespräch mit Herr Elmar Martin – 31. 3. 2007



Ehemaliger Ratschreiber in Lenzkirch, aufgewachsen im Bahnwärterhaus an der Bonndorferstraße. In den Gemeindedienst eingetreten im Jahre 1961, in den Ruhestand verabschiedet im Jahre 1990.


 

Das Anmelden bzw. Übergeben der Züge erfolgte mittels Morseapparat. Erst Ende der 50er Jahre mittels Fernsprecher. Mit dem Diensttelefon konnte man abends ,wenn der Betrieb zu Ende war nach 9 Uhr  z.B. nach Bad. Bahnhof Basel telefonieren, das war vor dem Krieg und da gab es  noch wenig Telefone. Wo der Waldvogel Andreas in Russland (Ukraine) war durfte seine Frau nach Russland telefonieren, dies funktinierte vom Bahnhof Lenzkirch aus.

 

 

Das interesanteste Erlebnis in meinem Leben, das ich nie vergessen werde, war der Tag an dem der von Neustadt kommende Güterzugzug entgleiste. Passiert ist das Ganze unmittelbar beim Bahnwärterhaus am Bahnübergang an der Bonndorferstraße. Es war, so meine ich, im Jahr 1939 als der Zug, vermutlich durch zu hohe Geschwindigkeit aus den Schienen sprang und  ca. 40  Meter auf den Eisenschwellen und dem Schotter zurücklegte. Dabei verbogen sich die Schwellen durch das Gewicht der Lok. Lokführer war Max Rees und Heizer war Leo Modispacher.  Wir saßen in der Küche als es auf einmal rumpelte. Es muß im Sommer in der Ferienzeit pasiert sein, da ich zuhause war um ca. 11.00 Uhr. Gegen den Lokführer wurden Ermittlungen eingeleitet, welche aber nach kurzer Zeit wieder eingestellt wurden. Ein großer Zugkran mußte damals nach Lenzkirch kommen, um Lok und Wagen wieder auf die Gleise zu heben. Mittlerweile war der Krieg ausgebrochen und die jungen Lokführer waren an der Front und so brauchte man daheim die "Alten", und so verlief die Sache im Sande.

 

 

Nach Stillegung der Eisenbahnlinie wurden die Bahnwärterhäuser verkauft und auch die Bahnhöfe Kappel-Grünwald, Gündelwangen, Unterlenzkirch, Lenzkirch und Bonndorf wechselten ihren Besitzer. Als ehemaliger Verantwortlicher im Grundbuchamt Lenzkirch, ist mir die Eisenbahnsache noch sehr gut in Erinnerung. Der Gemeinde Lenzkirch wurde die komplette Bahnanlage zum Kauf angeboten, also alle Geländeteile, Gebäude usw. auf Lenzkircher Gemarkung. Die Gemeinde kaufte die komplette Bahnanlage mit der Auflage, daß bei gewinnbringender Weiterveräußerung der Gewinn an die Deutsche Bundesbahn abzuführen sei.

Die ersten Schwierigkeiten gab es dann, als man einen Teil des Geländes an die Firma Testo verkaufte. Durch Verhandlungen mit der Bahn erreichte man , daß man nicht den vollen Mehrpreis ( Gewinn ) an die Bahn zahlen mußte. Dies ergab sich aus dem Umstand, daß man das Gelände nicht an privat verkauft hatte, sondern an eine Firma, durch die dann  neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Dadurch wurde die Höhe der Ausgleichszahlung zu gunsten der Gemeinde Lenzkirch erheblich gemindert.

 

 

Anmerkung:

Beim Bahnbau war die Gemeinde Lenzkirch, wie viele andere Gemeinden auch, insgesamt drei mal zur Kasse gebeten worden. Es mußte nach einem bestimmten Verteilerschlüssel ( nähe und nutzen der Bahnlinie für die jeweilige Gemeinde ) eine Summe für die zu bauende Bahnlinie zur Verfügung gestellt werden. Die Gemeinde Lenzkirch  mußte für die Streckenabschnitte: Höllentalbahn, Hintere Höllentalbahn und die Bahnlinie Kappel – Lenzkirch – Bonndorf jeweils ihren finanziellen Beitrag leisten. Die zum Bahnbau benötigten Grundstücke und Geländeteile auf der Lenzkircher Gemarkung mußten kostenlos an die Großherzogliche Staatseisenbahn abgetreten werden, und nach der Stillegung der Strecke im Jahre 1977 von der Deutschen Bundesbahn zurück gekauft werden. ( Siehe oben ). Mit dem Rückkauf der Grundstücke kaufte man auch alle "Altlasten" wie Gebäude und Brücken und so mußte der Abriß der Brücke über die Bonndorferstraße aus dem Geldsäckel der Gemeinde bezahlt werden.

 

 

Als ich ab 1939 in Neustadt auf das dortige Gymnasium ging, benutzte ich den Zug um zur Schule zu kommen. Ich kann für diese damalige Zeit sagen: Die Züge waren morgens, mittags und abends immer brechend voll.

 

 

In meinen Schulferien arbeitete ich als Hotelboy im Hotel Hirschen. Mit einem "Leiterwägeli", das beidseitig mit einem Namensschild des Hotels versehen war, holte ich das Gepäck der Hotelgäste vom Bahnhof ab. Es waren dies in der damaligen Zeit um 1940 auch viele "Größen" aus Politik und Wirtschaft, welche hier ihren Sommerurlaub verbrachten, oder aber auch als Jagtgäste nach Lenzkirch kamen.

 

 

Im Herbst 1944, gegen 11.00 Uhr, erfolgte auch ein Fliegerangriff auf einen Personenzug, der sich auf der Fahrt von Kappel-Grünwald nach Kappel-Gutachbrücke befand. Der Zug kam unmittelbar nach der Brücke ( Straße nach Kappel bzw. zur Kiesgrube ) und dem dortigen Geländeeinschnitt zum stehen. Die Bahnreisenden flüchtenden in den nahen Wald. Es wurden zwar Lok und Wagen getroffen, aber es wurden keine Menschen verletzt oder gar getötet, wie dies immer wieder einmal berichtet wurde.

 

 

Am 16. März 1945 um 16.20 Uhr erfolgte ein Luftangriff auf die Gemeinde Lenzkirch, wo es die Angreifer auf den Bahnhofsbereich und die Firma Kadus abgesehen hatten. Jedes der acht Flugzeug hatte zwei Bomben unter dem Rumpf befestigt. Getroffen wurden:

 

2 x Hotel Vogt ( Treffer im rückwertigen Teil des Hotelgebäudes )

2 x Bahnhof,eine Bombe als Blindgänger im Bahnsteig, und eine Bombe       zwischen Toilettenhaus und Bahnhof als Blingänger.

2 x Wangerhof, hier wurde der jüngste Sohn der Familie Eiche getötet.

4 x Strohberg, hier wollte man vermutlich die Flackstellung treffen.

4 x Firma Kadus - Gebäudeschäden

2 x Treffer in die Gleisanlage unmittelbar beim Wagenkasten und bei der       Bahnmeisterei. Hier wurde die Gleisanlage durch zwei Bomben        beschädigt.