Freiburg, den 26.6.2007                                                                                                 

 

 

 

Gespräch mit Emil Hummel Jahrgang 1928

 

Eingetreten in den Bahndienst beim Bahnhof Bonndorf am 1. April 1944, als Verkehrslehrling (Betriebsjunghelfer). Die Ausbildung umfaßte die Bereiche Verkaufs.- und Verwaltungsdienst.

 

 

Die Ausbildung umfaßte alle Bereiche und Tätigkeiten, die so im Bahnbetrieb beim Bahnhof Bonndorf anfielen: Bahnhofsarbeiter, Streckenläufer, Expressgutabfertigung, Auskunft, Gepäckabfertigung, Fahrkartenverkauf, Ablöser im Bahnhof Gündelwangen, Mitarbeiter bei der Bahnmeisterei, Rangierdienst. Im Bahnhof Bonndorf waren zu dieser Zeit zwischen fünf und sieben Personen beschäftigt.

 

 

Dies war so im allgemeinen die "Grundausbildung" als Verkehrslehrling: "Das hat einem so richtig spass gemacht als junger Kerl, und man hat so alles gelernt von Grund auf." Heute ist ja überall nur noch eine sogenannte Fachausbildung gefragt. ("Fachdeppe ka mer sage") Das war eben früher anderst und man war eben für alles zuständig.

 

 

Die Ausbildungsvergütung Betrug damals 1944 im 1. Jahr 25.- Mark, im 2.Jahr 50.- und im 3. Jahr 75.- Mark. Zum Vergleich: Ein Leib Brot kostete damals  so um die 15 bis 20 Pfennig.

 

 

Mein damaliger Chef war ein "Zwölfender", also ein ehemaliger Reichswehrsoldat. Dies war der Bahnhofsvorsteher Kroll, und der war schon eine Persöhnlichkeit im Ort. Wie hieß es damals noch: Zuerst kommt der Bürgermeister, dann der Pfarrer und dann der Bahnhofsvorsteher. Bei Herrn Kroll, der auch im Bahnhof wohnte, durfte ich jeden Tag einmal stramm stehen. Als ich nach dem Krieg wieder meinen Dienst aufnahm fragte ich Ihn, wie das jetzt mit dem "stramm stehen" sei. Da antwortete er mir: "Sei ruhig Bub, an einem schönen Tag kommt alles einmal wieder". Viele Jahre später, als ich in Freiburg am Fahrkartenschalter meinen Dienst versah hat Her Kroll oft bei mir sein Geld abgeholt, da war er bestimmt schon über 90 Jahre alt. Am Fahrkartenschalter konnte man früher die Schecks des Eisenbahn- Sparvereins einlösen.

 

 

Als 15-jährige junge Kerle wurden wir Ende 1944 zum Schanzen eingezogen und in das Elsaß abkommandiert. Da mußten wir einen Panzergraben ausheben und zwar mitten durch ein Dorf und ohne Rücksicht auf die Bewohner. Das war gar nicht ungefährlich da drüben, weil die "Stimmung" bei den Elsäßern schon gekippt war. Ich kam dann zum Reichsarbeitsdienst nach Hechingen und anschließend nach Salzburg in Österreich. Dort kam ich in Gefangenschaft und bin denen auch gleich abgehauen. Von Salzburg bis Donaueschingen legte ich den ganzen Weg zu Fuß zurück. In Donaueschingen wurde ich dann wieder von den Franzosen geschnappt. Beim Gefangenentransport durch die Wutachschlucht bin ich denen wieder abgehauen und habe dann zu Fuß mein Elternhaus in Bonndorf in der Bergstraße erreicht. Dort mußte ich feststellen, daß die Franzosen im Wohnzimmer Quatier bezogen hatten. So mußte ich längere Zeit im Schuppen verbringen und wurde dort von meiner Mutter mit dem nötigsten versorgt, bis die Franzosen abgehauen waren.

 

 

Für das Zug.- und Lokpersonal war Endstation in Bonndorf und diese haben dann im Bahnhof Bonndorf übernachtet, da gab es extra Zimmer. Die Lok, eine 6b, war über Nacht im Lokschuppen untergebracht. Die Lokführer übernachteten ebenfalls im Lokschuppen, da gab es auch ein Zimmer. "Viel Durst hatten als die Herren und sie haben als immer Zego gespielt, drüben in der Bahnhofswirtschaft." Der Dienst auf der Nebenstrecke war eigentlich sehr beliebt "bi de Isebähnler".

 

 

Nach dem Krieg wurde ich gleich wieder bei der Bahn in Bonndorf eingestellt und zwar als Angestellter. Dies geschah aus dem Grund, weil es den Ausbildungsgang "Verkehrslehrling" nicht mehr gab. Später machte ich dann die Laufbahnprüfung für den Mittleren Dienst.

 

 

Auf der Bonndorferstrecke wurde nach meiner Erinnerung das Zugmeldeverfahren bis etwa Ende der 50er Jahre per Morseapparat bewerkstelligt. Der mitlaufende Papierstreifen des Morseapparates wurde vom Vorgesetzten in Verwahrung genommen und ein halbes Jahr lang aufbewahrt. Dann erfolgte die Umstellung auf Fernsprechbetrieb. Die Zugübergabe erfolgte immer von Fahrdiestleiter zu Fahrdienstleiter also von Kappel-Gutachbrücke nach Lenzkirch und von Lenzkirch nach Bonndorf. Bei der Zugübergabe von Lenzkirch nach Bonndorf lief das etwa so ab: Die dazwischenliegenden Bahnhöfe, die sich an dieser Strecke befanden, also Unterlenzkirch und Gündelwangen, mußten sich auf das Rufsignal nach Bonndorf ebenfalls melden. So war dann gewährleistet, daß die Signale, Weichen und die Schranken auf der Strecke betätigt worden waren.

 

 

Die Rangierfahrten bei der Holzverladestelle Saatfeld funktionierten nach einem Schlüsselsystem. Der Zugführer nahm den Schlüssel vom Bahnhof Bonndorf oder Lenzkirch mit. Dies erfolgte gegen Unterschrift im Zugmeldebuch. Solange der Schlüssel sich nicht wieder an seinem Platz befand, (am Brett in Bonndorf oder Lenzkirch) war das Gleis Lenzkirch–Bonndorf gesperrt. Die Holzverladung im Saatfeld erfolgte bis ca. 1958.

 

 

Meine Dienstzeit auf der Bonndorfer Strecke bzw. im Bahnhof Bonndorf endete im Jahre 1947. Dann war ich zwei Jahre in Seebrug. Anschließend war ich drei Jahre abkommandiert nach Karlsruhe. Ich kam dann wieder zurück in den Schwarzwald, und zwar nach Hinterzarten, und da habe ich auch meine Frau kennen gelernt und zwar am Fahrkartenschalter......

 

 

Folgende Namen sind mir aus meiner Dienstzeit in Bonndorf (1944-1947) in Erinnerung:

Herberger: Obersekretär, Schalter.- und Fahrdienst (immer mit Stehkragen und Krawatte)

Fritz Hugel: Schalter und Expressdienst, Fahrdienst

Kirchner: Bahnhofsarbeiter und Rangierer

Schöndienst und Schelb: Zugführer, beide in Bonndorf stationiert

Rudigier und Egle: Schrankendienst beim Bahnwärterhaus

 

 

Auch mein Bruder Alois Hummel war bei der Bahn beschäftigt. Dieser war ab 1942 zeitweise in Bonndorf am Bahnhof sowie auch bei der Bahnmeisterei in Neustadt tätig, und zwar als Gleis.- und Streckenarbeiter. So kannte er auch die Bonndorfer Strecke. Sein weiterer Werdegang war dann die Laufbahn des Zugschaffners und dann die des Zugführers. Mein Bruder war dann auch einige Zeit als Zugführer auf der Strecke Neustadt-Bonndorf im Einsatz.