Neustadt, den 15. Nov. 2007

 

Erich Albrecht - Jahrgang 1935 - erzählt aus seinem Eisenbahnerleben.

Eintritt in den Bahndienst im März 1958

Von 1959 bis zur Einstellung der Bahnlinie am 31. 12. 1976 immer wieder beim Bahnhof Lenzkirch eingesetzt, zuletzt in der Funktion des Fahrdienstleiters.

 

 

Am  23. und 24. Mai 1987 hatte ich Dienst auf dem Stellwerk II in Neustadt. An diesen beiden Tagen wurde das „ 100 jährige „ der Höllentalbahn gefeiert. Es sind an diesen beiden Tagen an denen ich als Fahrdienstleiter eingesetzt war, keinerlei Störung zu verzeichnen. Ich bekam für die reibungslose Abwicklung von meinem Dienstherrn auch eine Belohnung.

Ein Fehler ist mir allerdings unterlaufen: Ich habe bei einer Bahnhofs-ansage den Bundespräsidenten anstatt den Bundesbahnpräsidenten angekündigt.

 

Während meiner Dienstzeit bei der Bahn war ich auf folgenden Bahnhöfen und Stellwerken eingesetzt: Hirschsprung, Posthalde, Neustadt, Unadingen, Kappel-Gutachbrücke, Rötenbach, Löffingen, Lenzkirch, Bonndorf.

 

Es bestand für mich im Jahre 1959 die Möglichkeit das Bahnwartshaus in Lenzkirch beim Bahnübergang an der Bonndorferstraße zu mieten. Vorraussetzung für einen Mietvertrag war jedoch, daß man verheiratet war, und so haben wir ganz schnell geheiratet und zwar im Mai 1959. So war das eben noch im Jahre 1959. Im Jahre 1969 bin ich dann nach Neustadt gezogen.

 

Im Jahre 1961 wurde Lindner aus Bonndorf, Gutmann aus Neustadt und ich aus dienstlichen Gründen an den Bahnhof Lenzkirch versetzt. Zur damaligen Zeit gab es ja auch noch Güterverkehr. So erinnere ich mich noch gut an die Firma Ströhla, die damals viele Holzmöbel für das Kaufhaus Schöpflin herstellten. Die haben uns ab und zu die „Güterhalle voll geknallt“ und wir mußten dann die ganzen Kosten und Gebühren von Hand ausrechnen, was natürlich eine Menge Arbeit war. In Neustadt hatte man am Fahrkartenschalter eine Rechenmaschine, und die haben wir dann als leihweise nach Lenzkirch bekommen.

 

Die Firma Kadus hat seine Kopfhauben und die dazugehörgen Halterungen als auch mit der Bahn verschickt, und zwar auch als Expressgut. Da der Güterzug schon durch war, haben wir dann die ganzen Hauben und Wandhalterungen in den Schienenbus auf die Sitzbänke verfrachtet ,  und so kam das Expressgut noch am selben Tag nach Neustadt. Die Fahrgäste mußten vorher in einen anderen Teil des Schienenbusses umsteigen.

 

Beim Bahnhof Kappel-Gutachbrücke und dem dortigen Stellwerk waren immer drei Mann beschäftigt. Am Sonntag war der Bahnhof von 7.00 Uhr bis 21.00 Uhr geöffnet. Unmittelbar vor dem Abzweig nach Lenzkirch gab es früher noch eine Signalbrücke und hier mußten täglich die Karbitlampen kontrolliert und gewartet werden.

 

Die Bahnstrecke der Hinteren Höllentalbahn wurde täglich vom Streckenläufer abgegangen. Bevor dieser nicht am Bahnhof Kappel-Gutachbrücke angekommen war, durfte kein Zug diesen Strecken-abschnitt befahren. Die Nebenstrecke nach Lenzkirch – Bonndorf wurde nur einmal wöchentlich vom Streckenläufer abgegangen.

 

Es wird immer wieder berichtet, daß Gutmann der letzte Bahnhofsvorstand war im Lenzkircher Bahnhof. Das ist so nicht richtig. Nach der Pensionierung des Bahnhofsvorstehers Neidhard wurde kein Bahnhofsvorstand im üblichen Sinne in Lenzkirch bis zur Stillegung mehr eingesetzt. Gutmann und ich waren lediglich Obersekretäre und rangmäßig gleichgestellt. Der letzte Verantwortliche im Bahnhof Lenzkirch war der von Peterzell-Königsfeld versetzte Walter Trescher. Trescher fungierte in Lenzkirch auch als Fahrdienstleiter.

 

Im Jahre 1959 sind noch die Dampfloks gefahren. Es waren dies die Dampflok Baureihe 75 VIc und die Loks der Baureihe 50, welche die Touropazüge nach Lenzkirch und Bonndorf brachten. Der Schienenbus muß so nach 1960 zum Einsatz gekommen sein. Folgende Zugführer haben den VT 98 als gefahren: Kessler Helmut, Zimmermann Joseph, Raith Stephan, Obst Wolfgang, Köpfer Helmut.

 

Der Touropa Zug war vom Bahnhof Kappel-Gutachbrücke gemeldet worden und befand sich auf der Fahrt nach Lenzkirch. Ich begab mich zum kleinen Stellwerk bei der Bonndorferstraße. Als ich den Zug kommen sah, dachte ich mir noch, der hat aber eine ordentliche Länge heute. Es waren dies eine Lok BR 50 und sechs Touropa-Reisewagen. Der Zug war, wie ich schon geahnt hatte, für den Bahnhof Lenzkirch zu lang. Es mußte der letzte Wagen abgehängt  und auf ein Nebengleis geschoben werden. Erst dann konnte die Lok umsetzen, nahm den einzelnen Wagen auf und setzte sich dann wieder vor den Zug. Das ganze passierte so um 1962. Später, so um 1970, war dann das Fahrgastaufkommen der Touropareisenden so gering, daß man die Touropazüge nicht mehr nach Bonndorf überführte. Die Reisenden mußten in Neustadt auf den Bus umsteigen.

 

In Neustadt war eine Rangierlok stationiert, mit dieser wurden auch oft Güterwagen von Bonndorf nach Neustadt überführt. Wenn der Franz Egi Rangierdienst hatte, so konnte der Fahrplan schon einmal ein bischen durcheinander kommen. Da seine Frau in Holzschlag in der Krone arbeitete, legte er als da oft einen kleinen Halt ein. Der Güterzug war abgemeldet in Bonndorf und in Lenzkirch wartete man vergebens auf dessen Ankunft. Ich rief dann auch schon mal beim Bahnhof in Unterlenzkirch an, und fragte bei der Frau Pitchuch nach, wo denn der Güterzug sei. Als Antwort bekam ich dann immer zu hören: „ Ich wart au scho de ganzi Zit und Si kumme und kumme einfach nit...“ Da hatte der Franz wieder einmal bei der Krone angehalten.....

 

Kurz vor Weihnachten kamen als die Freiburger mit einem Rottenfahrzeug nebst Anhänger in den Schwarzwald und wollten dann Richtung Bonndorf fahren. Wenn die Strecke frei war haben wir Sie fahren lassen. Irgendwann kamen Sie dann wieder zurück und das Fahrzeug nebst Anhänger war beladen mit Christbäumen für die Freiburger Eisenbahner.

 

Wenn die Kindersonderzüge als kamen mußte ich oft nach Altglashütte um dort dem Hans Günter Dietsche beim Gepäckdienst auszuhelfen. Es waren immer sehr große Mengen an Koffer und sonstigem Gepäck, das auf die Kinderheime wie Schuppenhörnle und einige andere verteilt werden mußte. Die Kinderheime haben dann die Koffer abgeholt und später bei der Abreise auch wieder an den Bahnhof gebracht.

 

Im Jahre 1982 ist mein Bruder Edwin Albrecht, der ebenfalls bei der Deutschen Bundesbahn beschäftigt war, auf der Dreiseenbahn tödlich verunglückt. In Bärental hatte man aus versehen einen Zug nach Schluchsee abfahren lassen, obwohl sich das Messfahrzeug mit meinem Bruder noch auf der Strecke befand.

 

Mein letzter Einsatzort war der Bahnhof Unadingen, und von dort wurde ich dann im Jahre 1995 in den Ruhestand verabschiedet.

 

 

 

Herzlichen Dank...! Ansichtskarte vom  12. Aug. 1968