Hubert Keßler aus Holzschlag                                 26. 11. 2006

erinnert sich:

                                                                   

 

Unßer Familienanwesen befindet sich direkt an der Bahnlinie nach Bonndorf. Im Sommer kam es vor, daß wir den Bahndamm löschen mußten. Durch Funkenflug der Lokomotive war dieser in Brand geraten.

 

 

In einer stockdunklen Nacht im Dezember hatte ein Zug von Lenzkirch kommend zwischen Holzschlag und Gündelwangen angehalten. Der Lokführer hatte zu früh gestoppt, weil er glaubte er habe bereits den Bahnhof Gündelwangen erreicht. Die Fahrgäste stiegen aus und der eine oder andere purzelte den Bahndamm hinunter. Von Gündelwangen her kommend schwenkte ein Bahnbediensteter eine Sturmlaterne und signalisierte dem Zug weiter zu fahren. Nachdem  wieder alle  eingestiegen waren ging die Fahrt weiter.

 

 

Unßer Elternhaus hatte in früheren Jahren ein mit Schindeln gedecktes Dach. Durch den Funkenflug der vorbeifahrenden Dampfloks bestand somit eine erhöhte Brandgefahr und wir mußten dadurch einen höheren Versicherungsbeitrag zur Feuer.-und Brandschutzversicherung bezahlen.

 

 

Im Bahnhof von Gündelwangen wohnte der Bahnhofsvorsteher Schäufele mit seiner Familie. Der Sohn Hermann  wurde im Bahnhofsgebäude geboren, und wurde der spätere Erzbischof von Freiburg, Dr. Hermann Schäufele.  Amtszeit von 1958 bis 1977. ( gestorben 1977 ) Als der hiesige Pfarrer Andris sein vierzigjähriges Priesterjubiläum feierte, war auch der Erzbischof von Freiburg  zu Gast, welcher dann bei diesem Anlaß  zum Ehrenbürger von Gündelwangen ernannt wurde.

 

 

In den Jahren 1944 – 1945 waren die feindlichen Jagtflieger regelmäßiger Gast in unßerer Region. Der Bauer Mathias Benz vom Stalleger Hof, fuhr als Langholz zur Verladestelle Saatfeld. Der mußte als unter dem Langholzwagen Deckung nehmen wenn die Jabos angriffen. Es waren immer zwei Jabos und wir nannten sie auch „ Max und Moritz „ ....Man konnte die Uhr danach stellen. Pünktlich um 11.00 Uhr tauchten sie auf und einer der Piloten war ein Farbiger, das konnte man genau erkennen. Auch auf der Viehweide war man von denen nicht sicher, denn die schossen  auf alles was sich bewegte.

 

 

1944 griffen die Jabos auch einen Personenzug an, der sich auf der Fahrt vom Bahnhof Kappel – Grünwald nach Kappel-Gutachbrücke befand. Dabei wurde die Lok beschädigt und auch die Wagen wurden getroffen. Zum Glück wurde jedoch niemand verletzt.

 

 

 

Foto oben: ganz links Franz Keßler – Vater von Hubert Keßler – rechts Richard Keßler, Vorarbeiter einer Gleisbaurotte vor dem Familienanwesen in Holzschlag.   Foto ca. 1920

 

 

        Gleisbaurotte mit Ihrem Vorarbeiter Richard Keßler – ganz rechts – Foto ca. 1920

 

 

 

     Bescheinigung für Richard Keßler vom 1. August 1914:

     ......und ist als unabkömmlich vom Waffendienste zurückzustellen.