Herr Josef Zimmermann erzählt.                                                28.11.06

Ehemaliger Lokführer der Deutschen Bundesbahn

Geboren in Glashütte

Lehre in Lenzkirch bei der Firma Kadus als Werkzeugmacher - 1943

Heute 82 Jahre alt, wohnhaft in Villingen

 

 

Ich habe ca. 5 Jahre den Schienenbus gefahren. Das fahren von Dampfloks auf dieser Strecke war bei mir eher selten. Etwa ab 1966 wurde ich dann auf anderen Strecken eingesetzt. Dort fuhr ich dann hauptsächlich die V200, die wohl damals stärkste Diesellok der Bahn.

Anmerkung: Diese Lok war für die Strecke Lenzkirch – Bonndorf nicht zugelassen. (Radius, Gewicht  usw.)

 

 

Die Touristen und die Berufstätigen kehrten der Eisenbahn immer mehr den Rücken. Die Zahl der Bahnreisenden nahm ständig ab. Der eine Grund war der Bahnbusbetrieb – und somit die eigene Konkurenz. Der zweite Grund war das Umsteigen auf das eigene Auto. So habe ich die Situation damals gesehen.

 

 

Der Schienenbus wurde so meine ich ab  1960 eingesetzt, und ersetzte die bis dahin verwendete Dampflok der Baureihe ( BR ) 75 IV c.  Dies machte die Zugverbindung etwas schneller,und auch etwas komfortabler für die Bahnbenutzer.  Der Triebwagen hatte an beiden "Enden"  einen Lokführerstand, und so erübrigte sich ein Umsetzen des Fahrzeugs, wie es vorher immer in Lenzkirch und Bonndorf erforderlich war. Dies war natürlich auch eine große Vereinfachung und Verbesserung im Betriebsablauf der Bahn. Der Schienenbus war ein Triebwagen vom Typ VT 98 mit Mittelwagen, also ein "dreiteiliges" Fahrzeug mit Dieselantrieb. Er  wurde von zwei Dieselmotoren mit je 150 PS angetrieben. Am Schluß meiner Lokführertätigkeit auf dieser Strecke (ca. 1966 ) waren es noch drei Fahrten pro Tag, und zwar morgens – mittags und abends. In der Hauptsache waren es noch die Schüler und ein paar Berufstätige, welche die Zugverbindung noch nutzten. Einmal mußte ich im Bahnhof Unterlenzkirch zuerst den Schnee vor dem Schienenbus entfernen, den der Triebwagen vor sich hergeschoben hatte, bevor ich weiter fahren konnte. Vor Einstellung des Personenverkehrs sollen es nur noch zwei Fahrten pro Tag gewesen sein, und dies in der verkürzten "zweiteiligen " Grundversion des Triebwagens VT98.

 

 

Voraussetzung für die Ausbildung zum Lokomotivführer, war eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem artverwandten Beruf. Die Grundausbildung der Lokomotivführer fand damals noch auf den Dampfloks statt, denn es gab noch keine Dieselfahrzeuge. Auf der Dampflokomotive wurde man dann zuerst als Heizer bzw. Hilfslokheizer eingesetzt. Die schriftliche Prüfung wurde dann nach der Ausbildung von der Bahndirektion  Karlsruhe abgenommen. Für die Abnahme der praktischen Fahrprüfung war das Maschinenamt Konstanz zuständig.

 

 

Ich kann mich noch an eine Fahrt mit einem Sonderzug erinnern der aus dem Raum Bodensee ( Konstanz, Singen, Engen  ) kam. In Donaueschingen haben wir den Sonderzug übernommen. Der Zielbahnhof hieß Bonndorf, und da fand ein großes Narrentreffen statt. Ab Neustadt wurde mit zwei Maschinen gefahren, dies war erforderlich, weil der Zug zu lang war, und man somit in Lenzkirch nicht umspannen konnte. Der Zug hatte somit an beiden Zugenden eine Lok und dazwischen  sechs Schnellzugwagen. Die Lokomotiven waren zwei Schlepptenderloks der Baureihe 50. Diese Loks waren für die Strecke Lenzkirch – Bonndorf gerade noch zuglassen. Die Baureihe 50 war für Güterzüge  auf den Schwarzwaldbahnen zu schwach, ( zuwenig Achsdruck ) aber für den Personentransport reichte die Zugkraft noch aus. Da es ein öffentlicher Sonderzug war konnte man überall zusteigen wo angehalten wurde. In Lenzkirch so berichten die Lokführer sind ebenfalls sehr viele Leute zugestiegen. Da der Zug eine so große Gesamtlänge hatte, waren in Lenzkirch und Bonndorf die Bahnsteige zu kurz und man mußte auf dem Gleiskörper ein.-und aussteigen. Manch einer hatte damit ein Problem, aber das hatte zum großen Teil auch eine andere Ursache. Fazit: Für uns Lokführer war es doch eine kleine Herausforderung den Zug nach Bonndorf und zurück nach Neustadt zu bringen, denn es war für uns auch das erste mal, daß auf dieser Strecke mit zwei Maschinen gefahren wurde. Ansonsten war der ganze Tag einfach nur eine Riesengaudi und zwar auf den Bahnsteigen wie auch im Zug.

 

 

Die beiden Lokführer waren damals Stefan Reith und Josef Zimmermann. Das Narrentreffen fand im Jahre 1953 statt.

 

Anmerkung: Beide ehemaligen Lokführer vertreten die Ansicht, daß dies wohl der längste Zug war, sowie der mit den meisten Passagieren, der je die Strecke Lenzkirch – Bonndorf befahren hat in der knapp 70 jährigen Eisenbahngeschichte.