Gespräch mit Karl Schätzle am 31. März  2007

 

Einer der letzten Strecken.- und Weichenwärter in Lenzkirch.

Ich habe damals angefangen in Lenzkirch auf der "Strecke" (Streckenarbeiter), dann kam ich auch an den Lenzkircher Bahnhof als "Ablöser" (Vertretung). Ich machte auch in Neustadt Dienst (Schrankendienst) und war auch an der Kappel-Gutachbrücke auf dem Stellwerk.

Im Lenzkircher Bahnhof mußte man auch die "Güterhalle mitmachen", also auch das ganze Frachtgut abfertigen, dies ergab sich aus dem Umstand, weil zu wenig Züge fuhren, und so war man irgendwie für alles zuständig.

Zu meiner Zeit wurden vom "Hüsli" aus (kleines Stellwerk), das sich gegenüber vom Bahnwärterhaus befand sechs Weichen gestellt. Dazu kamen die zwei Einfahrsignale und die beiden Schranken für die beiden Bahnübergänge - Bonndorferstraße und Trenschelweg. Vom Bahnhof aus wurden zwei Weichen gestellt. Die Weichen im Bereich der Holzverladung waren handbediente Weichen.

Als ich nach Lenzkirch kam, ca. 1958-59 wurde die Betriebsführung bereits ganz über Fernsprecher abgewickelt. Die Morseapparate hatten da schon ausgedient. Kam nun ein Zug von Kappel-Gutachbrücke nach Lenzkirch, so wurde dieser von dort per Fernsprecher in Lenzkirch angemeldet. Zudem mußten sich die dazwischen stationierten Schrankenwärter ebenfalls melden. War nun der Zug unterwegs, so ging ich an die Bonndorferstraße zum kleinen Stellwerk, um dort die Weichenstellung, die Signalstellung und das betätigen der Schranken vorzunehmen. Es gab in Lenzkirch lediglich nur die zwei Einfahrsignale, sonst gab es keine Signaleinrichtungen im Lenzkircher Bahnhofsbereich.

Wenn es im Winter geschneit hatte, gab es immer ordentlich Arbeit. Es mußte alles vom Schnee befreit werden. So der Bahnsteig, der Bahnübergang und die Spurrillen und vor allem die Weichen. Ich kann mich auch erinnern, daß der Schneeräumer gefahren ist, dies war eine Dampflok BR 75 mit einem vorne und hinten montierten Schneeschild.

 

 

An den Touropa Express habe ich auch noch eine sehr gute Erinnerung. In der Regel waren es drei oder vier Schnellzugwagen die zu meiner Zeit noch von einer Dampflok, später dann von der V100 gezogen wurden. Da war immer ordentlich was los auf dem Bahnsteig und es gab auch immer viel Arbeit mit dem Gepäck.

Während meiner gesamten Dienstzeit in Lenzkirch wurde ich je nach Bedarf eigentlich überall eingesetzt. (Ich war Mädchen für alles - o-Ton Schätzle) Ich arbeitete also auch bei der Gleisbaurotte, wenn dies erforderlich war, oder ich versah auch den Dienst des Streckenläufers. Als Streckenläufer hatte man die gesamte Strecke an einem Tage abzugehen. Dies passierte wöchentlich ein mal und so marschierte man von Kappel-Gutachbrücke nach Bonndorf und in der folgenden Woche in umgekehrter Richtung. Man kontrollierte die Schrauben und schaute auch so, ob alles seine Ordnung hatte. Zur Ausrüstung des Streckenläufers gehörte der "große" Schraubenschlüssel, eine Signalfahne, um falls erforderlich den Zug zu stoppen, ein Signalhorn um zu warnen, und für den absoluten Ernstfall Knallkapseln, ebenfalls um den Zug zu stoppen.

Nach einer Dienstzeit von ca. 7 Jahren in Lenzkirch, wurde ich zum Ende des Jahres 1965 wegen Rationalisierungsmaßnahmen nach Riegel am Kaiserstuhl versetzt. Dies geschah also noch vor Einstellung des Personenverkehrs auf der Lenzkircher Strecke.
Im Jahre 1971 wurde ich dann
nach Sankt Georgen im Schwarzwald versetzt, wo ich noch weitere zwei Jahre meinen Dienst versah.
Im Jahre 1973 wurde ich dann aus
Krankheitsgründen in den Ruhestand verabschiedet.