Wie kommt man zu einem Bahnhof .....?


      

 

Erzählt von Liselotte Ernicke im Dez. 2008

Eigentümerin des Bahnhofs Kappel-Grünwald

 

 

Wir hatten mit der Eisenbahn eigentlich überhaupt nichts zu tun, außer dass wir ab und zu mit ihr gefahren sind. Eines Tages jedoch, wurde im Radio geworben: Kaufen Sie sich einen Bahnhof !  Das war so im Jahre 1967 oder 1968.

 

Als mein Mann von der Arbeit nach Hause kam, habe ich Ihm das von  der Radiowerbung erzählt. Ich habe dann am anderen Tag unseren Großen zum Bahnhof unseres Wohnortes geschickt, mit dem Auftrag, dass er da mal nachfragen soll, wo es denn die Bahnhöfe zu kaufen gibt.

Da haben sich die halb kaputt gelacht und den Buben wieder nach Hause geschickt. Wir fragten dann beim Hauptbahnhof in Düsseldorf nach „einem Bahnhof im Schwarzwald“. Die Herrschaften dort konnten sich das Lachen auch nicht verkneifen, aber einer gab den Tip, man solle sich doch mal an die Generaldirektion Karlsruhe wenden, die wären für den Schwarzwald zuständig. Mein Mann und ich haben dann die Direktion in Karlsruhe angeschrieben, und bekamen dann als Antwort, dass ein Bahnhof im Sauerland und einer im Schwarzwald zu verkaufen wären. Für uns kam nur der Bahnhof im Schwarzwald in Frage.

 

Mein Bruder wohnte damals an der Schweizer Grenze, und so baten wir Ihn, da doch mal vorbei zu fahren bei diesem Bahnhof im Schwarzwald. Er hat sich dann im Gasthaus zum Rechenfelsen, welches sich unmittelbar beim Bahnhof Kappel-Grünwald befindet einquatiert, und sich die ganze Sache mal näher angeschaut. Er hat uns dann eine Karte geschickt,  in der er uns mitteilte, man solle die Finger von diesem Bahnhof  lassen, da die allgemeinen Zustände hier unmöglich wären. Ich wollte es aber genauer wissen, und so fuhr ich mit meinem Mann in den Schwarzwald zu diesem Bahnhof. Ich war sofort begeistert, dieser Bahnhof sollte es sein.

 

Allerdings sah es anfangs hier sehr wüst aus. Alle Scheiben waren eingeschlagen und da es auch hereingeregnet hatte waren zum Teil auch die Böden kaputt. Diese waren übersäht von Schottersteinen, Ästen und sonstigem Unrat, und einige Zeitgenossen hatten auch ihre Notdurft im Bahnhof verrichtet. Die Treppenhaustüre war abgeschlossen gewesen, und so blieb das Obergeschoß vom Vandalismus verschont. Etwas später sind wir dann nach Freiburg zur Bahndirektion gefahren und wollten mal wissen was dies alles denn kosten solle. Die hatten aber auch keine Vorstellung was den Kaufpreis betraf, und fragten uns, was wir denn bezahlen würden. Wir meinten so 40.000.- Mark wäre uns der  Bahnhof schon wert, und so wurde 1969 der Kaufvertrag unterzeichnet.

 

Nach der Kaufabwicklung und den erforderlichen Renovierungsarbeiten ist dann meine Mutter noch im Jahre 1969 hierher in den Bahnhof  umgezogen, ich selbst bin erst im Jahre 1983 ganz nach Kappel-Grünwald gekommen. Da ja meine Mutter nun den Bahnhof bewohnte, konnte ich nun jedes Jahr mit meinen Kindern die Ferien im Schwarzwald verbringen.

 

Als kleiner Ferienspaß, begrüßte ich dann mit den Kindern die durchfahrenden Züge. Da das Diensttelefon noch angeschlossen war, bekamen wir ja immer mit, wann ein Zug von Neustadt nach Lenzkirch bzw. in umgekehrter Richtung unterwegs war. Dann wartete ich mit den Kindern auf dem Bahnsteig bis der Zug kam, und es wurde dann gerufen und gewunken.

 

Mein Bruder hatte sich eine Draisine aus Schrotteilen zusammen gebaut. Mit dieser fuhr er als bis zur Kappeler Kiesgrube bzw. in die andere Richtung bis zum Ortsanfang von Lenzkirch (Anwesen Kaiser). Dies geschah nach „Fahrplan“, da man ja den noch fahrenden Güterzügen nicht begegnen wollte. Manchmal wurde im Bahnhofsbereich von Kappel-Grünwald auch der Opel Kadett vorgespannt. Einmal bremste der Kadett zu stark ab, und die Draisine landete im Kotflügel des Autos.