Lenzkirch, den 4. Juli 2007

 

Der Bahnhof.- und Schrankenwärterdienst im Bahnhof (Haltepunkt) Unterlenzkirch

 

 

        Margarete Weißbarth erzählt

 

 

 

Im Jahre 1925 hat meine Mutter den Dienst im Bahnhof Unterlenzkirch von der Familie Feser übernommen. Diese Tätigkeit wurde bis zur Einstellung der Bahnlinie im Dez. 1976 von unßerer Familie verrichtet, denn außer meiner Mutter und mir, waren als noch zwei weitere Schwestern zeitweise mit diese Aufgabe betraut. Als meine Mutter diese Arbeit aufnahm im Jahre 1925 wurden schon keine Fahrkarten mehr verkauft. Die Fahrgäste kauften die Fahrkarten immer beim Schaffner im Zug und zwar bis zur Einstellung der Bahnlinie. Eine Güterabfertigung beim Bahnhof Unterlenzkirch hat es nie gegeben.

 

Im Bahnhof Unterlenzkirch waren zwei Wohnungen. Im zweiten Stock wohnte der „Ersatz“, das heißt, dieser mußte den Bahnhofs.- und Schrankendienst übernehmen, wenn der eigentliche Schrankenwärter der den ersten Stock bewohnte wegen Krankheit oder Urlaub verhindert war. Das Übernehmen dieser Tätigkeit war Vorraussetzung um die Wohnung im Bahnhof mieten zu können.

 

Zum Schluß ist der Triebwagen am Sonntag fahrplanmäßig auch nicht mehr gefahren. Man mußte jedoch am Sonntag um 19.00 Uhr Schrankendienst machen, weil der Schienenbus nach Bonndorf überführt wurde. Am Montag Morgen startete dann der Triebwagen, wie alle Züge all die Jahre vorher auch, von Bonndorf aus zu seiner ersten Fahrt. Wenn der Zug in Bonndorf wegfuhr hat man uns diesen über das Telefon angemeldet. War der Güterzug angemeldet, so konnte es schon einige Zeit dauern bis der in Unterlenzkirch auftauchte. Man wußte als nicht, ob dieser im Saatfeld noch rangieren mußte, und so konnte man die Schranken laufend auf und zumachen um die genervten Autofahrer passieren zu lassen. ( Machener d`Schranke immer scho ei Stund voher zu ??)

 

Es war eigentlich schon viel Arbeit wegen den paar Fahrgästen. Es mußte der Bahnsteig und der Vorplatz, sowie der Übergang und die Spurrillen von Schnee und Eis befreit werden. War man dann endlich mit dem Übergang Bonndorferstraße fertig, so kam doch garantiert der Schneepflug und schob die ganzen Spurrillen wieder zu. Zudem mußten die WC`s und der Bahnhof gereinigt werden. Außerdem galt es auch einige bahntechnische Einrichtungen regelmäßig zu überprüfen.

 

Meine Mutter bekam als Ihre Rente vom Oberbahnhofsvorsteher Schnell ausbezahlt, das war so zwischen 1940 – 1945. Das weis ich noch ganz genau, da gab es dann immer eine Kleinigkeit, denn das war als Kind schon noch etwas während dem Kriege.

 

Vom Bahnhof Unterlenzkirch wurden drei Schranken bedient. Das waren die Übergänge Bonndorferstraße, Jägerweg und der Übergang zum Eisweiher der Brauerei Rogg. Im Winter mußte man da richtig Kraft aufwenden, denn die Drähte und die ganze Mechanik lief dann außerordentlich schwer.

 

Der Touropazug hat als auch ab und zu angehalten. Das passierte immer dann, wenn Urlauber z. B. für das Gasthaus Löffelschmiede mit dabei waren.

 

Die kleine Wachthütte direkt am Bahnübergang beherbergte ein paar Signaleinrichtungen, wie Lampen und Gleissperrschilder. Zudem befand sich ein kleiner Ofen darin, da konnten sich im Winter die Gleisbauarbeiter und der Streckenläufer aufwärmen.

 

 

Die Familie Helmle von der Löffelschmiede betrieb früher auch Landwirtschaft und so mußte bei jedem Wetter die Milch an den Bahnhof Kappel-Grünwald gebracht werden. Am ersten Zug des Tages war nämlich der Milchwagen angehängt, und diesen Zug mußte man erreichen. Meine Mutter erzählte mir, daß dies im Winter eine ordentliche Schinderei gewesen wäre die Milch an den Bahnhof Kappel-Grünwald zu bringen.

 

 

Eine lustige Sache gibt es da noch zu erzählen:

Der Schrankenwärter war eines morgens fast verschlafen. Seine Frau bemerkte dies, und weckte Ihn im letzten Moment. Dieser rannte nur mit dem Schlafanzug bekleidet an seine Schrankenböcke und verrichtete so seinen Dienst. Allerdings war diese seltsame Kleiderordnung den Fahrgästen des ersten Schienenbusses aus Bonndorf nicht verborgen geblieben, und so bekam er die eine oder andere amüsante Bemerkung zu hören.