Paul Heer, geb. am 18. Feb. 1922

 

Der ehemalige Kurgeschäftsführer erinnert sich.....

 

Paul Heer besuchte die Volksschule in Unterlenzkirch von 1928 bis 1936. Nach 3 ½  jähriger Lehrzeit in der Firma Kadus Werk  Lenzkirch, Fabrik für Haarkosmetik, erlangte er den Gesellenbrief als Bau.- und Gerätetischler.

 

 

In diesem Betrieb wurde anfangs noch der Gleis-Loreanschluß vom Bahnhof Lenzkirch in das Hofgelände der Firma Kadus ( Nachfolgefirma der weltbekannten Lenzkircher Uhrenfabrik  1851 bis 1930 ) bei Holz- anlieferungen mit der Bahn, verwendet. Im Hof befand sich ein Drehteller von dem aus man dann mit den Loren jede größere Halle oder Werkstatt erreichen konnte.

 

 

Nach nur wenigen Gesellenjahren wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Als Paul Heer nach über vierjährigem Kriegseinsatz und der am Schluß erlittenen Verwundung aus dem Militärdienst entlassen wurde, konnte er seinen  erlernten Schreinerberuf nicht mehr ausüben.

 

 

Durch die Anstellung bei der Gemeinde Lenzkirch als Rats.- und Polizeidiener und später als Leiter der Lebensmittelkartenstelle übernahm er dann 1949 automatisch die Leitung der Lenzkircher Kurverwaltung und damit den Auf.- und Ausbau des später anerkannten Heilklimatischen Kurortes. Die Anerkennung als Heilklimatischer Kurort brachte dann auch die Aufnahme von Lenzkirch im Jahre 1953 in das Reiseprogramm der "Touropa–Reisen" mit sich. Es kamen dann jeden Dienstag  und  teilweise  auch  Donnerstags die blauen  26 Meter langen D-Zug Kurswagen aus Hamburg, Bremen, Dortmund und Frankfurt mit bis zu 100 Gästen am Bahnhof Lenzkirch an. Durch die Länge dieser Züge war aber nun der Bahnsteig des Bahnhofs Lenzkirch ein bischen zu kurz geraten, und das Aussteigen aus dem Touropa - Zug war somit eine nicht ganz ungefährliche Sache. Durch eine Baumaßnahme der Bahn wurde der Bahnsteig in den 50er Jahren verlängert.

 

 

Durch die ständig steigende Zahl der Kurgäste mußte man sich auch, was die Betreuung und Unterhaltung dieser betraf, etwas Einfallen lassen. So wurden die ersten Gästebegrüßungsabende bzw. Heimatabende organisiert. Ferner wurden Filmabende, Lichtbildvorträge und Wanderungen angeboten. Ein ehemaliger Wanderführer und Idealist war der Oberlehrer Schäzle. Für eine durchgeführte Wanderung bekam er 1,50 Mark, später waren es 5.- Mark, das reichte dann wenigstens für ein kleines Vesper.

 

 

Die Übernachtungszahlen stiegen damals von Jahr zu Jahr und so wurden in der Gemeinde Lenzkirch ( einschl. Raitenbuch und Grünwald , ohne Saig und Kappel ) im Jahre 1981 - 348.000 Übernachtungen gebucht.

 

 

Paul Heer, Kurgeschäftsführer der Gemeinde Lenzkirch, ging 1982  nach über 31 jähriger Tätigkeit bei der Gemeinde in den wohlverdienten Ruhestand.

 

 

 

 

Paul Heer bei der Quatierszuteilung auf dem Lenzkircher Bahnhof. Im Hintergrund der Touropa – Reisezug, bereit zur Weiterfahrt nach Bonndorf.

 

 

Eine Sache möchte ich hier noch erzählen:

Im Jahre 1936 fand in Donaueschingen das Bannsportfest statt, wo auch die Hitlerjugend aus Lenzkirch teilnahm. Von Lenzkirch aus ging es mit dem Zug Richtung Kappel-Gutachbrücke. Am Ortsausgang von Unterlenzkirch erinnerte ich mich, daß ich meinem Kumpel, der in der Lochmühle wohnte, zuwinken wollte. Ich sprang auf und zog am Fenstergriff und aus versehen auch am Griff für den Nothalt. Nach wenigen Metern kam der Zug zum stehen und der Schaffner auch schon angerannt. Auf seine Frage: "Wer hat hier den Nothalt gezogen ?", trat eine gespenstische Stille ein. Da meldete sich der Herr Oberbahnhofsvorsteher Schnell, der auf der Sitzbank hinter uns Platz genommen hatte zu Wort und sagte: "Schaffner, do het niemes de Nothalt betätigt"! Der Schaffner traute wohl seinen Ohren nicht, aber das Wort eines Oberbahnhofsvorstehers hatte mehr Gewicht als der betätigte Nothaltegriff. So hatte ich noch einmal Glück gehabt und ich mußte auch nicht  die Strafe von 26.- Mark bezahlen, welche für das betätigen des Nothalts fällig gewesen wäre.

Viel, viel Geld damals !