Herrn Stefan Reith  erzählt                                                   28. 11. 2006

Ehemaliger Lokführer der Deutschen Bundesbahn

Lehre bei der Firma Kadus als Werkzeugmacher  -  1942

Wohnhaft in Villingen, heute 83 Jahre alt

 

 

Den Touropaexpress habe ich sehr oft gefahren, allerdings nur, wenn er über die Schwarzwaldbahn geführt wurde. Der Schnellzug wurde von mir in Offenburg übernommen und die Fahrt ging dann über Donaueschingen nach Neustadt. Wir fuhren also nicht über die Höllentalstrecke. Der Touropa Express kam abwechselnd aus Hamburg oder aus Dortmund, und zwar immer Dienstags bzw. Donnerstags. In Donaueschingen wurden dann die ersten Wagen abgekoppelt, denn diese fuhren dann als eigenständiger Zug Richtung Bodensee. Mit dem Rest des Zuges fuhr ich dann nach Lenzkirch und Bonndorf. In der Regel waren es drei, oft sogar vier Schnellzugwagen. Auf den Bahnsteigen war dann immer allerhand los, wenn die Gäste von ihren Pensionwirten abgeholt wurden. Mit Leiterwagen und sonstigen fahrbaren Untersätzen wurde dann das Reisegepäck abtransportiert. Die Rückfahrt verlief gleich, nur in umgekehrter Reihenfolge. In Offenburg übergab ich dann den Zug an einen Kollegen.

 

Früher waren die Winter viel schneereicher und ab einer bestimmten Höhe der weisen Pracht war halt Schneeräumen auf der Gleisanlage erforderlich. Gerade der Triebwagen VT98 war bei Schnee da besonders anfällig. Es fehlte dem Triebwagen an Gewicht und ein Antrieb von insgesamt 300 PS war eigentlich auch nicht gerade viel. So  wurde eine Lok der Baureihe BR75 VIc  hinten und vorne mit einem Schneepflug ausgestattet und zum Schneeräumen auf der Strecke Neustadt – Bonndorf eingesetzt. Wenn es in der Nacht starke Schneefälle gab, mußte diese Lok  schon sehr früh am Morgen auf die Strecke, damit der fahrplanmäßige Betrieb auch aufgenommen werden konnte. Es gab in unßerem Bezirk auch eine Dampf- schneeschleuder. Diese wurde an die Front der Lok (BR 85) montiert und wurde mit Dampf aus dem Kessel der Lok angetrieben. Auf der Strecke Neustadt – Lenzkirch – Bonndorf wurde diese Dampfschneeschleuder nie eingesetzt. Auf der Strecke nach Seebrugg kam diese aber ab und zu zum Einsatz

 

Einmal hat man versucht trotz kritischer Schneehöhe den Schienenbus losfahren zu lassen, was ordentlich schief ging. Er kam ca. 800 Meter vom Bahnhof Bonndorf weg, und ist dann im Schnee stecken geblieben. Der Triebwagen kam wieder frei und fuhr zurück in den Bahnhof Bonndorf. Nachdem dann der "Schneeräumer", der aus Neustadt kommen mußte, die Gleise wieder befahrbar gemacht hatte, konnte der Triebwagen seine Fahrt wieder aufnehmen.

 

Ich war 1942 noch in der Lehre, als wegen der großen Schneemenge ab Lenzkirch in Richtung Bonndorf nur ein Wagen anghängt wurde. Zuvor mußten alle Bahnreisenden die älter als 14 Jahre alt waren Schnee räumen damit der Zug überhaupt fahren konnte.

 

Während meiner Zeit als Lokführer auf dieser Strecke  vollzog sich auch ein Wandel in der Eisenbahntechnik. Anfänglich befuhr noch eine Lok der Baureihe 93 diese Strecke, ansonsten war es die Dampflokomotive der Baureihe 75VIc, die im Personen.- wie im Güterverkehr eingesetzt wurde. Mit Indienststellung der Diesellok V100 , die im Güterverkehr eingesetzt wurde, hatte die gute alte Dampflok ausgedient. Die größere "Schwester" der V100 nähmlich die V200 war für diese Nebenbahn gleich gar nicht zugelassen, da diese zu schwer war. Beim Personenverkehr wurde gleich der ganze Zug ausgewechselt. Zum Einsatz kam ein Triebwagen Baureihe VT98 mit Mittelwagen und einem Dieselantrieb. Diese Änderungen vollzogen sich so um das Jahr 1959 bis ca. 1961. Eine Lok der Baureihe 75 blieb erhalten und wurde, wie bereits erwähnt zum Schneeräumen eingesetzt.

 

Für die Verladestelle Saatfeld bekamen die Zugführer im Bahnhof Lenzkirch den Schlüssel für das Weichenstellen ausgehändigt, und mußten diesen bei der Rückfahrt in Lenzkirch wieder abgeben. Solange der Weichenschlüssel nicht wieder im Bahnhof Lenzkirch an seinem Platz war, solange war das Gleis nach Bonndorf gesperrt. Es gab in Saatfeld zwei Weichen, und so war das Ladegleis von Bonndorf wie von Lenzkirch her einfahrbar. Im Saatfeld wurde in der Hauptsache Langholz verladen. Im Jahre 1969 wurde die Verladestelle Saatfeld aufgegeben.

 

Als ich noch in die Lehre ging ( 1942 ) bei der Firma Kadus, mußten wir auch noch am Samstag arbeiten, und zwar bis 13.00 Uhr. Das war früher überall so üblich. Da am Samstag nicht so viele Züge verkehrten, und kurz nach 13.00 Uhr auch ein Güterzug Richtung Bonndorf fuhr, mußten wir uns beeilen, denn der nächste Zug fuhr erst viel später. Je nachdem wer Dienst hatte, durften wir dann auch auf der Lok  mitfahren,  oder aber auch im Gepäckwagen.

 

In Gündelwangen war auch eine Verladestation, und hier wurde ebenfalls  in der Hauptsache Holz verladen. Hier gab es auch ein Kalkwerk mit zwei Öfen, somit wurde hier der Koks angeliefert und der Kalk abtranspotiert.

 

In Bonndorf wurde u.a. auch Kunstdünger angeliefert. Hier kann ich mich noch an die Firma Isele erinnern,  da gab es immer viel Schnittholz zu transportieren. Auch Kohle und Getreide und vieles mehr haben wir gefahren.